Kompressor Tutorial – Parameter Erklärung & Praxistipps zum Mischen

 
Der Audio-Kompressor ist neben dem Equalizer einer der wichtigsten Effekte, die in der Audioproduktion zum Einsatz kommen. Doch was macht der Audio-Kompressor genau? Im folgenden Kompressor Tutorial erfährst du alles über die Funktionsweise und den richtigen Einsatz in der digitalen Audioproduktion. Wir klären die Auswirkungen der verschiedenen Parameter und geben euch auch gleich ein paar nützliche Praxistipps.

Gerade als Anfänger erscheinen die vielen verschiedenen Parameter des Audio-Kompressors eher verwirrend. Doch gerade die richtige Einstellung dieser Parameter ist absolut entscheidend für das Ergebnis.
 

WAS MACHT EIN KOMPRESSOR GENAU?

Der Audio-Kompressor gleicht Lautstärkeunterschiede innerhalb einer Audiospur aus. Singt eine Sängerin z.B. im selben Take manchmal etwas leiser ins Mikrofon, können die leisen Passagen auf diese Weise angehoben werden, damit sie im Mix besser zu hören sind.

Außerdem erhöht sich durch die Kompression eines Audios die empfundene Lautstärke des Signals. Es wird als lauter und insgesamt als kraftvoller und „fetter“ wahrgenommen.

Bei richtigem Einsatz wirkt das komprimierte Audiosignal lauter, kräftiger und kann sich besser gegenüber anderen Schallquellen durchsetzen. In der professionellen Musikproduktion wird so gut wie jede einzelne Tonspur komprimiert. Doch auch bei Videos macht es Sinn die Audiospur(en) zu komprimieren.

Falsch eingesetzt kann der Audio-Kompressor jedoch auch mehr kaputt machen, als er verbessert. Resultat ist ein unnatürlicher Sound, z.B. Sprachaufnahmen sehr gut herauszuhören. Im schlimmsten Falle ist ein deutliches „Pumpen“ des Kompressors wahrzunehmen.

 

DIE PARAMETER DES AUDIO-KOMPRESSORS

INPUT/OUTPUT – THRESHOLD – RATIO – ATTACK/RELEASE – KNEE

 

    Logic Kompressor
    Der Logic Kompressor FET
  1. INPUT / OUTPUT (=EINGANGS-/AUSGANGSPEGEL)

    Grundlagen: Lautstärke, Pegel, Dezibel

    Der Begriff Lautstärke ist ein Wort aus der Umgangssprache. Physikalisch und somit auch tontechnisch richtig benutzt man das Wort Pegel, gemessen in Dezibel (dB).

    Im digitalen Bereich liegen die 0 db genau dort, wo das Audiosignal am lautesten ist, jedoch nicht übersteuert. Alles darunter, also der Bereich in dem wir idealerweise unsere Aufnahmen gemacht haben, wird negativ angegeben, also z.B. mit -15 db.

    Alles was über dem Vollausschlag liegt, also z.B. + 10 db, ist übersteuert. Das gilt es in der Regel zu vermeiden.

    Input- / Output-Gain

    Der Input gibt den Pegel des eingehenden Signals an. Um das Audiofile optimal komprimieren zu können sollte der Eingangspegel nie über 0 db liegen, also übersteuern. Er sollte jedoch auch nicht zu weit darunter liegen.
    Es kann Sinn machen die Spur vor dem komprimieren zu normalisieren.

    Durch die Kompression wird das Signal leiser. Mit dem Output-Gain kann man die Lautstärke nach dem Kompressionsvorgang nochmals heben bzw. senken.

     

    ➜ PRAXIS-TIPP 1 – On / Off-Schalter:
    Bei der Suche nach den richtigen Einstellungen sollte man den Audio-Kompressor immer wieder an und ausschalten (on/off-Button). So kann man besser hören, wie genau die Kompression den Klang beeinflusst. Mit dem Output-Gain sollte man das leisere, komprimierte Signal also unbedingt wieder anheben.

    Die „gefühlte Lautstärke“ sollte mit an- und ausgeschaltetem Kompressor möglichst gleich sein.

     

  2. garageband
    Der Kompressor von GarageBand.
  3. THRESHOLD (=SCHWELLENWERT)

    Der Threshold bestimmt den Schwellenwert ab dem der Kompressor anfängt zu arbeiten. Alles Anteile unter dem Schwellwert werden unkomprimiert durchgelassen. Umso niedriger der Threshold also eingestellt ist, desto mehr Anteile werden vom eingehenden Signal in der Lautstärke abgesenkt.

    Die Anzeige der Gain-Reduction zeigt die Reduzierung der Lautstärke an. An der Pegelanzeige des Output kann man ebenfalls deutlich die Lautstärkereduzierung ablesen.

     

    ➜ PRAXIS-TIPP 2 – Mit hohem Threshold beginnen:
    Ein zu niedrig gewählter Schwellwert macht das Audio-Signal einfach nur „platt“ und ein unnatürliches Pumpen wird hörbar.
    Man sollte sich langsam von oben herantasten. Das Signal sollte den Schwellenwert also nur zeitweise überschreiten, also an den besonders lauten Stellen.

     

  4. RATIO (=KOMRESSIONVERHÄLTNIS)

    Dieser Parameter bestimmt in welchem Verhältnis zum Eingangspegel das Audiosignal abgesenkt wird, wenn es den Schwellenwert unterschreitet. Eine höhere Ratio hat also eine höhere Absenkung der Lautstärke zur Folge.

    Beispiel:
    Eingangspegel: -10 db ; Threshold: -20 db ; Ratio: 2:1

    1. Das Signal überschreitet den Schwellenwert um 10db.
    Rechnung: -10 db – (-20db) = 10 db

    2. Diese 10 db über dem Schwellenwert werde in der Lautstärke im Verhältins 2:1 reduziert, d.h. durch 2 geteilt. Es bleiben demnach 5 db.
    Rechnung: 10 db : 2 = 5 db

    3. Der Ausgangspegel liegt also 5 db über dem Schwellenwert und beträgt nun – 15db.
    Rechnung: -20db + 5 db = -15db

     

    ➜ PRAXIS-TIPP 3 – Passende Ratio wählen:
    Je nachdem was man komprimieren möchte (Sprache, Gesang, Drums, Instrumental, Syntesizer, …), sollte man auch die Ratio dementsprechend einstellen. Für perkussive Sounds, wie z.B. eine Snare-Drum, verwendet man in der Regel ein hohes Kompresionverhältnis (4:1 – 8:1). Die Snare wird so knackig und durchsetzungsfähig – sie knallt schön!

    Für organische Klänge, wie z.B. Gesang / Sprache sollte man eher eine kleinere Ratio verwenden (2:1 – 3:1)
    .
    Die Audiospur klingt sonst schnell dumpf und unnatürlich.

     

  5. ATTACK (=EINSCHWINGZEIT)

    Diese Einstellung bestimmt die Einschwingzeit, also nach wie vielen Milisekunden der Kompressor anfängt zu arbeiten. Eine zu kurze Einschwingzeit hat eine starke Dämpfung der sog. Transienten zur Folge. Gerade Drums, aber auch andere Instrumente wie z.B. Klavier klingen so schnell unnatürlich und lasch. Man sollte also mindesten eine Attackzeit von 20-25 ms einstellen.

    RELEASE (=AUSSCHWINGZEIT)

    Hier wird die Ausschwingzeit des Kompressors festgelegt. Oft wird auch der Begriff Decay-Time verwendet.

     

    ➜ PRAXIS-TIPP 4 – Attack / Release nicht zu kurz, nicht zu lang:
    Eine zu kurze Einschwingzeit hat eine starke Dämpfung der Transienten zur Folge. Gerade Drums, aber auch andere Instrumente, wie z.B. Klavier, klingen so schnell unnatürlich und lasch. Man sollte für perkussive Klänge also mindestens eine Attack-Zeit von 20-25 ms einstellen.
    Außerdem sollte man auch die Release-Zeit nicht zu kurz wählen, da sonst vor allem die tiefen Frequenzen verzerrt werden.

     

  6. audacity
    Der sehr einfach gehaltene Kompressor von Audacity.
  7. KNEE (=ÜBERGANG KOMPRESSION AN/AUS)

    Hier wird der Übergang zwischen Kompression und nicht komprimiertem Anteil festgelegt. Die Kompression fängt bei 0 db mit einem Verhältnis von 1:1 an und endet am anderen Ende des”Knies” bei der eingestellten Kompressionsrate. Oft lässt sich das Knee-Parameter auch nur zwischen “hard” und “soft” umschalten, manche Kompressoren haben diese Funktion auch gar nicht.

     

    ➜ PRAXIS-TIPP 5 – Ein rundes Knie:
    Der Übergang sollte möglichst nicht zu abrupt erfolgen, da es sonst unnatürlich klingt.
    Das heißt für die Praxis: Das „Knie“ sollte grafisch eher rund als angewinkelt zu sehen sein.

 
 

ZUSAMMENFASSUNG DES TUTORIAL:

  1. Input-/Output-Gain: Beeinflusst Eingangs- & Ausgangspegel.
  2. Threshold: Regelt den Schwellenwert, ab dem komprimiert wird.
  3. Ratio: Bestimmt das Kompressionsverhältnis.
  4. Attack / Release: Legt Ein- & Ausschwingzeit fest.
  5. Knee: Bestimmt den Übergang zwischen komprimierten und nicht komprimierten Anteilen.

 

Das war es dann auch erst mal. Du weißt nun, wofür man einen Kompressor einsetzt, wie die einzelnen Parameter sich auswirken. Als letzter Tipp: Mach Pausen beim Mischen! Gerade bei der Kompression ist das Ohr schnell überfordert. Und lieber langsam rantasten, also gerade anfangs den Kompressor eher vorsichtig einsetzen.

 

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